Achadh na Cloiche, Isle of Skye

Argyll, Schottland: Top Reiseziel nicht nur für 007 – ein persönlicher Reisebericht

Achadh na Cloiche, Isle of Skye. Dieses Photo von mir wurde 2004 in der Young Scot Photography Competition preisgekrönt.
Achadh na Cloiche, Isle of Skye. Dieses Photo von mir wurde 2004 in der Young Scot Photography Competition preisgekrönt (aufgenommen mit der vorgeschriebenen Einwegkamera).

Schottland wurde in 2013 von der CNN zur Touristendestination Nr. 1 erkoren, wohl in erster Linie auf dem neuesten James Bond Film “Skyfall” basierend, der z.T. in Glencoe in Argyll gedreht wurde. Mich hat Schottland seit meinem vierzehnten Lebensjahr in seinen Bann gezogen, und vor zehn Jahren habe ich dann den Schritt gewagt, meine Heimat Berlin zu verlassen und dorthin auszuwandern um gälische Sprache zu studieren. Gerade als ich mein Studium abschloss, eröffnete der erste gälische Fernsehsender, BBC ALBA. Bei dem bin ich jetzt als Korrespondent und Videojournalist in der Region Argyll tätig. Als Ein-Mann-Team mache ich Reportagen für Radio, Fernsehen und Internet vom Finden der Story über Filmen bis hin zum Schnitt.
Gälisch ist eine keltische Sprache und sie wurde einst auch von König Macbeth gesprochen, bekannt geworden durch Shakespeares gleichnamiges Stück, und William Wallace. Letzterer wurde in “Braveheart” von Mel Gibson gespielt, und er schreit in dem Film auch pflichtgemäß auf Gälisch: “Alba gu brath” [sprich: Àlapa gu braah] – “Scotland forever,” als er auf die Engländer losstürmt. Heute sprechen nur noch ca. 60.000 Menschen Gälisch, aber die Sprache wird von der schottischen Regierung wieder gefördert.
Die Region ‘Argyll and Bute’ an der Westküste hat 26 bewohnte Inseln. Eine Dienstreise ist mir bis heute besonders in Erinnerung geblieben. Meine Frau hatte mich liebenswerterweise nach Tayvallich gebracht, einem kleinen Dorf etwa eine Stunde südlich von Oban. Von dort aus bestieg ich die Passagierfähre – ein kleines Speedboat – auf die Insel Jura. Jura ist doppelt so groß wie die deutsche Insel Fehmarn, hat aber nur ca. 180 Einwohner; es existiert ein Hotel, ein Laden und eine Whiskydestillerie. Meine erste Reportage befasste sich mit eben dieser Passagierfähre, die erst vor kurzem ihren Betrieb aufgenommen hatte und deren Finanzierung in Zeiten knapper Kassen ungewiss war. Inzwischen scheint ihre Zukunft aber erst einmal gesichert (zumindest in den Sommermonaten). Nach einem Interview in dem Inselhauptdorf Craighouse, einem paar sehr kurzen Aufnahmen zwischen zwei Platzregen und einem “dram” in der Isle of Jura Destillerie ging es mit dem Bus weiter zur, auf der Südseite anlegenden, Fähre auf die Isle of Islay.

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Bowmore Whiskybrennerei, Isle of Islay

Bei der nur wenige Minuten dauernden Űberfahrt nach Islay wird klar, warum die Meerenge ausgewählt wurde für Turbinen, die auf dem Meeresgrund Energie erzeugen sollen: Die Strömung ist so stark, dass die kleine Fähre Mühe hat dagegen anzuhalten. Auf Jura ist die gälische Sprache inzwischen ausgestorben (systematische Unterdrückung der Sprache und Kultur über Jahrhunderte haben Wirkung gezeigt), aber auf Islay ist sie noch lebendig. Von hier berichte ich über ein Projekt, bei dem von der älteren Bevölkerung Ortsnamen dokumentiert werden sollen. Sobald sie sterben, gingen diese sonst verloren. Ich finde das sehr interessant, habe ich doch selber einmal auf der Isle of Skye, wo ich damals auf das gälische College, Sabhal Mòr Ostaig, ging, ein ähnliches Projekt durchgeführt. Islay ist noch größer als Jura, hat 3000 Einwohner und acht Whiskydestillerien. Es geht hier trotzdem sehr familiär zu. Alle Autofahrer grüßen sich, und in der Pension “Bowmore House” bin ich mehr Freund der Familie, denn zahlender Kunde. Einen Zimmerschlüssel bekommt man hier nicht, man ist entre nous.

Am nächsten Tag geht es mit dem Flieger zur Insel Colonsay. Im Flughafengebäude weiβ zunaechst niemand, wo der Check In nach Colonsay ist. Nach zehn Minuten kommt die Angestellte zurueck, und ich erfahre, dass das Einchecken in einer Baracke am Ende des Flugfeldes stattfindet. Etwas irritiert nehme ich dort alleine Platz und höre auch kurz darauf Motorengeräusche. Aus einem Propellerflugzeug steigen drei Personen. Ich denke nun, in Kürze käme jemand, um mich abzuholen, stattdessen gehen die Motoren wieder an. Nur durch wildes Gestikulieren kann ich vermeiden, dass das Flugzeug ohne mich abfliegt.

Ein Strand auf der Insel Colonsay
Ein Strand auf der Insel Colonsay

Die Insel Colonsay hat nur ca. 100 Einwohner, von denen einige ältere Menschen noch Gälisch sprechen. Aus dem Flugzeug bewundere ich die vielen schönen Strände. Am Flugplatz bitte ich, den Angestellten, mir ein Taxi zu rufen, woraufhin ich nur ein Lächeln ernte: Es gäbe keines. Aber nach einem kurzen Moment des Schocks meint er, er schließe sowieso gleich wieder, sobald das Flugzeug wieder weg sei, und könne mich dann mitnehmen zum Colonsay Hotel, einem charmanten kleinen Landhaushotel. Von hier berichte ich über ein Festival, dass dort zum ersten Mal stattfindet.

Auf der Colonsayfähre
Auf der Colonsayfähre

Die Rückkehr nach Oban geht per Schiff. Normalerweise nehme ich immer mein Auto mit, da das die Arbeit auf den Inseln sehr erleichtert. Eine Kollegin besorgt dann die Fahrkarten für mich. Diesmal war ich ja aber zu Fuß unterwegs, und eine Reservierung ist für Fuβgänger nicht nötig. Colonsay hat einen sehr langen Fähranleger. Ich laufe also mit meinen vier Gepäckstücken (Reisetasche, Kamera, Stativ und Laptop) hinaus zur Fähre, wo ich freundlich nach meiner Fahrkarte gefragt werde. Da fällt mir siedend heiß ein, dass ich keine habe, woraufhin ich einfach durchgewunken werde. Auf der drei-stündigen Rückreise nach Oban scheint erstaunlicherweise die Sonne, als wir an unzähligen kleinen Hebrideninseln vorbeifahren und ich mir einen Sonnenbrand einfange.

Vögel folgen der Fähre
Vögel folgen der Fähre
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